Nachlese
Jazztime Hildesheim 2008 – 30 Jahre Festival in Hildesheim
Allein die Programmankündigungen ließen es bereits im Vorfeld vermuten – Die 30. Jazztime in Hildesheim hat das Potential, in die Festival-Geschichte einzugehen!
Und so kam es denn auch. Um es gleich vorweg zu nehmen, erstklassige Künstler, zauberhaftes Publikum, einzigartige Stimmung, phantastisches Festival-Wetter und, und, und…
Schon Tage im Voraus konnte sich das Organisations-Team des gemeinnützigen Kulturvereins Cyclus 66 e. V. Hildesheim beruhigt zurücklehnen.
Die mittelfristigen Wetterprognosen waren positiv und stabil. Das hat es in den vergangenen 30 Jahren wohl nicht gegeben. So haben am Pfingstfreitag rund 1.000 Jazzfreunde die offizielle Eröffnung auf dem historischen Hildesheimer Marktplatz mit der Dixie Company aus Polen gefeiert. Die Band ließ sich selbst durch die einbrechende Dunkelheit nicht verstimmen und jazzte im wundervollen Dämmerlicht, vor mittelalterlicher Kulisse, was das Zeug hergab.
Am Samstag gaben die Jungs noch eine 90-minütige Zugabe auf der Festivalarena vor dem Stadttheater. Das Boogie Radio Orchestra, mit Andreas „Böckchen“ Bock am Schlagzeug, setzte noch einen oben drauf und begeisterte das Publikum mit dem Sound der 40er und 50er Jahre.
Eigens für die 30. Jazztime haben die Organisatoren ein absolutes Nostalgie-Trio zusammengestellt. Gottfried Böttger, Joe Pentzlin und Jutta Weinhold, Künstler der allerersten Jazztime-Stunden, ließen es sich nicht nehmen, zum 30. Geburtstag musikalische Grüße abzugeben und wurden durch das inzwischen auf rund 8.000 Menschen angewachsene Publikum entsprechend gefeiert.
Die Gala-Veranstaltung mit Ulita Knaus und ihrer Band war ein absoluter Leckerbissen nicht nur für Jazzfans. Mit großem Gefühl präsentierte Ulita Knaus im Großen Haus ihre selbst geschriebenen Songs, und das Publikum konnte in Hildesheim einen der kommenden Stars von morgen erleben.
Das klug und abwechslungsreich zusammengestellte Programm bescherte zur After-Show-Party im Foyer 1 brasilianische Rhythmen mit der in Hannover ansässigen Band Jamborinho. Zwar war deren Sängerin durch einen grippalen Infekt leicht geschwächt, doch Sigrun Krüger an Tenor-Saxophon, Klarinette und Querflöte ließ dennoch keine lange Weile aufkommen. Bestechend schön ihre Sax-Improvisationen und absolut herausragend die Stan Getz-Nummer „The Girl from Ipanema“!
Am Morgen des Pfingstsonntages, es war ja auch Muttertag, gab es gleich die erste musikalische Open-Air-Überraschung.
T-Man und Mighty Mike, zwei junge Veteranen der Köln-Bonner Bluesszene, standen
in schrillen Zuhälteroutfits, behängt mit tonnenschweren Klunkern auf der Bühne und versprühten die wilde, rohe Energie des frühen elektrischen Blues. Alles live, laut und ohne jegliche technische Spielereien. Die Bluesgemeinde war begeistert. Zwischendurch verteilten die Jazztime-Macher 100 Blumensträuße an anwesende Mütter mit Kind.
Mit dreistimmigem Jazz-Gesang, frechem Sexappeal und einer ordentlichen Prise Ironie brachten die PinkSpots das unbeschwerte Lebensgefühl des Swing auf die Bühne und erweckten die glamourösen und wilden Zeiten der Big Band-Ära der 30er Jahre wieder zum Leben. Danach Cissy Strut mit ihrem soulig-funkigen Blues, der Bauch und Beine spürbar werden ließ.
RTL-Nord war eigens angereist, und rund 10.000 Menschen warteten inzwischen auf B.B. & The Blues Shacks, Hildesheims Vorzeige-Band in Sachen Blues.
Brandaktuell ausgezeichnet mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik lieferten die Shacks, verstärkt durch Raphael Wressnig an der Hammond-Orgel und den Background-Chor, The Shackettes, eine einzigartige Vorstellung ab. Prädikat 5 Sterne!
Danach zum Kehraus des zweiten Open-Air-Tages Boppin’B, die selbsternannte Scheisskapelle! Musikalisch absolut in Form ließen sie auch die akrobatischen Einlagen nicht vermissen.
Und dann war es soweit! Alles kommt zu dem, der warten kann…! Götz Alsmann, auf ihn hatten die Programm-Macher der Jazztime 5 Jahre warten müssen. Innerhalb von 10 Tagen war diese Show bis auf den letzten Platz ausverkauft. Und Götz enttäuschte seine Fans nicht. Mit schier unglaublicher Wortgewandtheit führte er auf die ihm ureigene charmante Art durch sein „Kleines Geheimnis“. So der Titel des aktuellen Bühnen-Programms. Musikalisch voll im Trend begeisterte er nicht nur die Jazzpuristen sondern zollte auch großes Lob an die Organisatoren des Cyclus 66 .
Bei der anschließenden After-Show-Party im Foyer 1 erfüllte er selbst ausgefallene Autogrammwünsche und outete sich als Bewunderer von Brunos Blech Band. Die nämlich, Klaus Händel am Sax., Achim Kück, Piano und Bert-Holger Fütterer am Schlagzeug, wuchsen angesichts so prominenter Zuhörerschaft über sich selbst hinaus und gaben bis weit nach Mitternacht ein absolut grandioses Konzert.
Und danach…? Zurück im Van der Valk Hotel setzte sich Götz Alsmann noch für zwei Stunden an den Flügel in Pacos Bar und gab ein quasi Zusatzkonzert für eine handverlesene Zuhörerschaft. Ein unvergessliches Erlebnis für die, die dabei sein durften…!
Das Finale am Pfingstmontag begann mit der zweiten Überraschungsband des Festivals. Skop, eine 11-Mann/Frau-Kapelle aus Norddeutschland, beeindruckten dermaßen, dass die Programmplaner beschlossen diese Formation im kommenden Jahr erneut auf die Jazztime-Bühne zu bringen.
Gute Zydeco-Bands kann man in Europa an einer Hand abzählen. Aber Swamp aus den Niederlanden spielten so authentisch, dass man in Anbetracht des tollen Wetters die heißen Sümpfe Louisianas schlichtweg riechen konnte. Danach wurden Trickbag aus Schweden ihren Vorschusslorbeeren absolut gerecht. Sie ließen keinen Zweifel daran, dass sie zur Elite der schwedischen Bluesszene gehören.
Den Schlusspunkt vor dem Theater setzte dann noch mal ein ganz außergewöhnlicher Künstler. Karl Frierson, bekannt als die Stimme von DePhazz, konnte regelrecht mit dem Publikum spielen. Seine Berufung ist der Soul, der, der tief aus dem Herzen kommt. Mit einer ausgezeichneten Band im Rücken wurde er vom Jazztime-Publikum frenetisch gefeiert.
Dann waren da noch die beiden After-Show-Partys im Nil am Museum und im Cafe Übersee. Fast 800 Zuhörer konnten beide Veranstaltungen noch für sich verbuchen. Und so ging eine wundervolle Jazztime in einer lauen Mai-Nacht langsam zu Ende…
Zum Erfolg dieser Jubiläums-Veranstaltung hat ganz maßgeblich auch Petrus mit beigetragen. Ihm von dieser Stelle aus ein ganz großes Dankschön! Danke auch an die Sponsoren, die fleißigen Helfer des Cyclus 66 und, last but not least an das supertolle Publikum. Ihr wart einfach Klasse! Eure strahlenden Gesichter sind unsere Motivation! Bis zum nächsten Jahr!
Jazztime Hildesheim 2009
29. Mai bis 01. Juni (Pfingsten)
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