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1979 – 2009, 30 Jahre Jazztime in Hildesheim mit der 31. Auflage des Festivals.
 
…und die Erfolgsstory geht weiter!

Mehr als 100 Musiker aus 7 Nationen haben an  den zurückliegenden drei Pfingsttagen dafür gesorgt, dass  Hildesheim wieder einmal mehr zum Mekka der Jazz- und Bluesfans aus Nah und Fern geworden ist.
Weit mehr als 25.000 Besucher feierten  einen schier unglaublichen Musikmarathon auf dem Historischen Marktplatz und rund um das Stadttheater Hildesheim.

Dazu hielt Petrus seine schützende Hand über das Festivalgelände, denn bis auf ein paar Tropfen am Sonntagabend gab es Sonne satt. Doch der Reihe nach…

Bereits zwei Tage vor der Eröffnung präsentierte der Cyclus 66 e. V. Hildesheim in seinem Domizil, der Bischofsmühle, einen richtigen Jazzleckerbissen. Paul Kuhn, der legendäre „Mann am Klavier“ bescherte den Programmmachern mit seinem Trio ein volles Haus und ein geschichtsträchtiges Konzert der Superklasse!

Und dann kam das Buch noch rechtzeitig!
In Würdigung der 30-jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit des gemeinnützigen Kulturvereins hat der Hildesheimer Gerstenberg-Verlag die Geschichte der Jazztime aufgearbeitet und in einem Buch unter dem Titel „My God, that’s good“  die letzten 30 Jahre Revue passieren lassen.

Eine Hardcover Produktion mit Insider-Geschichten und rund 700 Fotos. Dazu ein chronologisches Nachschlagewerk über die bisher mehr als 2.200 Künstler, die anlässlich der Jazztime Hildesheim in der Stadt zu Gast waren.
Erst einen Tag vor der öffentlichen Präsentation wurden die ersten Exemplare angeliefert. Punktlandung…!

Die Vorstellung des Buches fand dann am Pfingstfreitag im Knochenhauer Amtshaus statt. Zeitgleich eröffnete der Niederländer Ben Rinia mit seiner Ken Colyer Memorial Jazzband auf dem Historischen Marktplatz offiziell das Jazztime Festival.
Strahlender Sonnenschein und ein vollbesetzter Marktplatz bildeten eine phantastische Kulisse für die faszinierende Interpretation des traditionellen New Orleans Jazz dieser Kapelle.

Am Pfingstsamstag ging die Überraschungsband des Vorjahres als erster Act an den Start. Skop, eine „Ska `n `Roll-Band“ aus Norddeutschland, wurde auch in diesem Jahr ihren Vorschusslorbeeren gerecht und sorgte mit eingängigen Rhythmen für echtes Karibik-Feeling.

Die Slow Horses hatten es nach diesem musikalischen Feuerwerk richtig schwer. Allerdings kann die Premiere, erstmals gab es Country-Musik auf der Jazztime, durchaus als gelungen bezeichnet werden, wozu sicherlich die fabelhafte Bühnenpräsenz dieser Band beigetragen hat.

Danach Hildesheims Lokalmatadoren, Lösekes Blues Gang! Die Mannen um Bernie Ringe und Falk Stehr enttäuschten das zahlenmäßig auf rund 8.000 Menschen angewachsene Publikum nicht. Mit markigen Lebensweisheiten und gradlinigem Chicago-Blues verwandelten sie den Theatervorplatz in einen  wahren Hexenkessel.

Dann das erste Gala-Konzert im Großen Haus des Theaters.
Mit Ron Carter, der bereits am Tag zuvor angereist war,  hatten die Verantwortlichen des Cyclus 66 den wohl meistproduzierten Musiker der Jazzgeschichte aufgeboten. Und der „Gentleman des Jazz“ machte seinem Ruf alle Ehre!

Allein die Hände dieses Mannes am Bass zu sehen, war eine Freude. Dazu die ausgefeilten Melodien, die er auf seinem Instrument hervorbringen konnte…, ganz großes Kino! Auch sein Percussionist, Rolando Morales-Matos, glänzte durch unglaublichen Ideenreichtum.

Einhundert Minuten Jazz auf höchstem Niveau! Danach das Premier Swingtett zur After-Show-Party. Die vier Musiker, darunter Ulrich Hoffmeier, seit Jahren Gitarrist in Max Raabes Palastorchester,   überzeugten mit überschäumender Improvisationslust und fundierter Kenntnis moderner Jazzmusik.

Der Pfingstsonntag begann eher etwas verhalten. Das lag jedoch nicht an der Qualität der ersten Band, sondern an der um halb zwölf noch handverlesenen Publikumsschar.

Nachdem Front Porch Picking  allerdings die ersten Bluegrass-Töne durch die Boxen nach vorn gebracht hatte, füllte sich die Festival-Arena und war spätestens zum Einstieg der amerikanische Gitarren- und Bluesharp-Größe Mike „Lightnin’“ Wells auf vierstellig angewachsen.

Man hatte das Gefühl, es läge etwas in der Luft. Von allen Seiten her füllte sich das Festivalgelände. Der Pausen-Act,  Die Klangkuriere, kam kaum noch durch die Menschenmassen, um „musikalische Neuigkeiten“ zu verbreiten. Was war bloß los…?
Es war der Soundcheck der Blues Guys, der ein weiteres lokales Highlight bereits zu früher Stunde ankündigte. Um Punkt 13.30 Uhr legte Hubsi Eggeling mit seinen Blues Guys & The Guinness Horns los, und die Band erzeugte im Publikum Party-Stimmung pur.

Nach dieser Vollbedienung mit Gebläse wurde es etwas ruhiger und filigraner. Frank Muschalle, mit Dani Gugolz am Bass und Peter Müller  am Schlagzeug, servierte Piano Blues und Boogie Woogie vom Feinsten. Mit dabei einer der führenden europäischen Saxophonisten, Engelbert Wrobel,  der dem Trio den letzten musikalischen Schliff verpasste.

Wer den Till-Schweiger-Film „Barfuß“ kennt, wusste, was ihn erwartete. Ray Collin’s Hot-Club,  die Interpreten des Titelsongs aus eben diesem Film, entführten die inzwischen nicht mehr zählbare  Zuschauermenge, als letzter Open-Air-Act des Sonntages, in das Amerika der 40er und 50er Jahre. Frenetischer Beifall für die Band, wahrscheinlich auch zertanzte Schuhe im Publikum und glückliche Gesichter des Veranstalter-Teams beendeten den zweiten Open-Air-Tag.

Zwischenzeitlich war Helge Schneider, Headliner der Sonntags-Gala, mit seinem Team  angereist und lugte, ein Brötchen kauend, vom Backstage-Bereich in die Menge. „Tolles Festival und super Stimmung,“  bescheinigte der „Jazz-Kautz“ den Organisatoren.

Während Helges Techniker sich noch auf der Bühne im Großen Haus mühten, führte der Meister selbst seine Hunde unerkannt in der Oststadt Gassi und bespaßte danach sein Betreungs-Team,  Kathi, Sandra und Oliver.

Dann war es aber soweit. Vorhang auf zu Wullewupp Kartoffelsupp.
Mit Pete York am Schlagzeug präsentierte sich Helge Schneider vor ausverkauftem Haus mit dem berüchtigten Song „Telefonmann“ gleich zu Beginn als unglaublich einfühlsamer Jazzmusiker. Seine Nummern am Saxophon, an der Trompete und auch am Vibraphon machten deutlich, dass hier ein ganz ausgezeichneter Musiker auf der Bühne steht. Daran änderten weder die Geschichte vom Meisenmann etwas, noch seine Abstecher in’s „Katzenklo“, über die sich nicht nur seine hinter dem Vorhang sitzende Ehefrau köstlich amüsieren konnte.

Wie auch immer… Neunzig Minuten und eine Zugabe, gefühlt viel zu kurz. Aber Hildesheim war der letzte Termin in der langen Tournee-Liste, und das ganze Team wollte irgendwann auch mal Pause haben. So verabschiedete sich ein äußerst sympathischer Helge Schneider mit zwei Wurstbroten auf der Hand, …“für die Fahrt“…, packte Frau und Kind ins Auto und düste nach der Show ab, nach Hause.

Und dann war da noch Britta Rex. Ein schöner Kontrast.  Jeder ihrer Songs ist ein ganz persönliches Statement und zauberte im F 1 eine Atmosphäre für sich.
Hier eine emotionale und intime Ballade, da einen verschachtelten orientalischen Groove, bis hin in experimentelle Improvisation.  Mit ihren musikalischen Begleitern,  Christoph Münch am Piano, Lars Hansen am Bass und  Eddie Filipp am Schlagzeug entwickelte die Sängerin einen lebendigen Sound und sorgte mit ihrer Stimme nicht nur einmal für Gänsehaut im Publikum.

Das Finale!
Mit Bigband-Sound und aktuellen Broadway-Hits starteten die Swingleiner in einen sonnigen Pfingstmontag. Zahlreich mitgereiste Fans und / oder Familienmitglieder sorgten bereits zu früher Stunde für eine beachtliche Resonanz.

Und es kam, wie es kommen musste. Jede Jazztime hat ihre Überraschungsband. „Wer um Himmels Willen ist "Razzle Dazzle“ war die Reaktion  der Festival-Organisatoren auf die Empfehlung eines regelmäßigen Konzertbesuchers der Bischofsmühle hin.
Kurz und gut, Razzle Dazzle, in klassischer Besetzung mit Bass, Gitarre, Schlagzeug, Piano, Saxophon, sowie mehrstimmigem Gesang spielten die komplette musikalische Bandbreite der 50er und 60er Jahre, und ließen ihren Auftritt zu einem wahren Happening werden.
Nach der Publikumsabstimmung wurde Razzle Dazzle  vom Bühnen-Team offiziell zur Überraschungsband 2009 ernannt.

In der folgenden Umbaupause erklärte der Bühnenmoderator dem weiter anwachsenden Publikum das Drehbuch für die nächste Show.
Melanie Dekker, die kanadische Pop-Ikone, feierte an diesem Tag nämlich ihren 36sten Geburtstag. Auf ein Stichwort spielte Maick Peters, der Mann am Mischpult, Stevie Wonders „Happy Birthday“ an, und mehr als 5.000 Dekker-Fans sangen vor der Bühne und auf den angrenzenden Wiesen mit, was der Dekker sichtlich die Tränen in die Augen trieb.
Mit ihrem Duo-Partner Jason Nett, nebenbei Opernkomponist,  gab sie  im Anschluss dermaßen Gas, dass die Melanie-Rufe selbst nach der zweiten Zugabe nicht enden wollten.
Ausnahmsweise gab es dann noch eine Dritte. Nach der Show erfüllte Melanie Dekker geduldig alle Autogramm-Wünsche und verkaufte dazu noch ihre sämtlichen Cd’s.

Inzwischen drängelten sich die Menschen nicht nur vor der Bühne, sondern auch auf den Wiesen gab es kein Durchkommen mehr. Optischer Eindruck; noch nie da gewesene Zuschauerzahlen.

Etwas müde und gesundheitlich angeschlagen waren kurz zuvor Mike Sanchez & The Portions eingetroffen. Sie kamen direkt aus der Schweiz, jenseits der Alpen, und waren die ganze Nacht durchgefahren, um pünktlich in Hildesheim zu sein.
Aber schon während des Soundchecks keine Spur mehr von irgendwelchen Handycaps. Und dann die Show…! Wouw…, wenn jemand in diesem Genre die Bezeichnung  „charismatischer Entertainer“ verdient, dann Mike Sanchez. Getragen von einer Spitzenband flogen seine Hände nur so über die Tasten. Und diese Stimme…! Seine schier unermüdliche  Spielfreude und der überwältigende Beifall des Publikums putschten ihn selbst immer wieder auf und schienen seinen grippalen Infekt komplett zu verdrängen.
Doch dann war es auch gut. Ausgedehnte Zugaben ließen ein zufriedenes Publikum zurück.

Die Jazztime Hildesheim war gelaufen. Und es war einfach wieder nur schön.
Mit dem Hinweis auf die abendlichen After-Show-Partys wurden die letzten der durch das Autohaus Kühl gesponserten Sonnen- / Regenschirme kostenlos an das Publikum verteilt.

Der Cyclus 66 e. V. Hildesheim bedankt sich bei seinen Sponsoren und allen Anderen, die zum Gelingen dieser tollen Veranstaltung beigetragen haben. Besonderer Dank an alle Helfer die auf- und abgebaut  haben, an die, die an den drei Tagen für das Wohl der Gäste gesorgt haben und natürlich an die Pin-Kids. Ihr wart superklasse!
Ganz großer Dank an das Publikum, Ihr seid einfach unschlagbar!!! Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr mit Euch. Da schaffen wir gemeinsam den Hattrick, drei Jahre hintereinander keinen Regen…

Abschließend noch zwei Dinge:
Entgegen ursprünglichen Meldungen wird der Cyclus 66 e. V. noch bis Ende September 2009 Konzerte in der Bischofsmühle durchführen. Infos dazu  ab Mitte Juli unter
www.bischofsmuehle.de

Informationen zum Inhalt und Erwerb des Jazztime-Buches unter
www.hildesheimer-allgemeine.de/jazztime.html

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